No Worries – Backpacking für Anfänger

NoWorries BackpackingVor etwa 10 Jahren landete ich das erste Mal in einem Hostel. Ich besuchte Freunde in Südafrika und überließ ihnen die Organisation eines Trips durch den Kruger Park. Zu dem Zeitpunkt war mir gar nicht klar, was Backpacking ist. Und als es mir klar wurde, war ich erst mal not amused. Es fing schon an, dass ich nicht nachvollziehen konnte, wieso jemand aus eigenem Willen in einem Schlafsaal übernachten wollen würde. Ganz zu schweigen von der unbehaglichen Vorstellung, nur mit dem Rucksack herumzureisen. Ohne zu wissen, wo man am nächsten Tag ein Dach über dem Kopf findet… Oje, dachte ich mir damals und legte mich ins Zeug, den anderen auch die Stimmung zu vermiesen. Es wurde einer meiner geilsten Urlaube. Jaja, es hätte mir damals geholfen, wenn ich das Buch zur Hand gehabt hätte, das ich Euch heute vorstellen möchte: „No Worries – Backpacking für Einsteiger“ von Patrick Hundt. Da wäre ich viel entspannter gewesen. Und hätte nicht versucht gehabt, einem der Hostel-Zimmergenossen das Schnarchen gewaltsam abzugewöhnen…

Patrick ist ein erfahrener Backpacker, der einen sehr erfolgreichen Reiseblog betreibt: 101places.de. Er hat bereits einige E-Books geschrieben, in denen er seine Reiseerfahrungen mit anderen teilt.
Sein neuestes Buch heißt „No Worries-Backpacking für Einsteiger“. Freundlicherweise hat er mir ein Exemplar zugeschickt, über das ich als Testleserin nun berichten werde. Nicht ganz uneigennützig von mir, versteht sich: ich plane selber eine High-Heel-freie Rucksackreise zu machen, also kann ich mit einer Klappe gleich zwei-drei-vier Fliegen schlagen.
Das Buch richtet sich an Personen, die vor ihrer ersten Backpacker-Reise stehen bzw. mit dem Gedanken spielen, diese Art des Reisens auszuprobieren (also passe ich gut in die Zielgruppe ;)). Es gibt ihnen nützliche Tipps, wie sie ihre Reise am besten vorbereiten und organisieren. Und nicht zuletzt möchte es ihnen auch die Angst und die Unsicherheit vor einer solchen Reise nehmen. Denn als Backpacker ist man häufig alleine unterwegs und muss sich spontan um Übernachtungsmöglichkeiten und Verpflegung kümmern. Man hat sein ganzes Hab und Gut auf dem Rücken und ist ganz auf sich gestellt. Für manche bedeutet dies die absolute Freiheit, aber für andere, die es nicht kennen, könne es erschreckend oder im besten Fall verunsichernd sein.

Als erstes hat mir der leichte und verständliche Stil zugesagt. Anbetracht dessen, dass diese Rezension im Schwabenland geschrieben wird, ist das scho Lob g’nug ;). Auch gefällt mir, dass die Ratschläge einem sehr unaufdringlich rübergebracht werden. Zu diesem Thema werden einem oft pushende Motivationssprüche zugeworfen „Um die Welt als Backpacker: Das KANNST DU auch!!!“. Ehrlich gesagt habe ich keine Zweifel, dass ich das kann. Die Frage ist, ob ich das will. In diesem Punkt überlässt das Buch einem selber die Entscheidung, wie intensiv man sich auf diese Erfahrung einlassen möchte: man muss sich nicht gleich mit vollem Karacho ins Backpacker-Dasein stürzen (es sei denn, man will es so). Aber Backpacking sollte man dennoch ausprobiert haben: es hat seine Vorteile und das Buch macht drauf aufmerksam: es ist günstiger und unabhängiger, so zu reisen. Und man lernt viele neue Menschen kennen. In wie fern der Reisende diese Vorteile ausschöpfen möchte, kann er selbst bestimmen.

Parallel geht das Buch auf wichtige praktische Themen ein:
* Was/wie viel nimmt man mit?
* Wie findet man günstige Flüge und Unterkünfte?
* (Technische) Ausstattung für die Reise
* Geld (wie viel Geld nimmt man mit? Wie kommt man im Ausland an Bargeld heran?)
* Erreichbarkeit während der Reise (Internet, WLAN, Handy)
* Sicherheit
* Gesundheit/Krankenversicherung
* Was mache ich, wenn… *#%&?!… passiert

Dazu gibt es nicht nur hilfreiche Informationen aus erster Hand, sondern auch Hinweise, wo im Internet weitere nützliche Tipps zu finden sind. Die Punkte sind übersichtlich und bündig dargestellt. Somit steckt das Buch den Rahmen für absolute Einsteiger ab und hat nicht den Anspruch alle Themen bis ins letzte Detail auszuschöpfen. Dazu gibt es einen Überblick, welche Länder für welches Budget und insbesondere für den Anfang geeignet sind.

Obwohl ich bereits Backpacker-Erfahrungen gesammelt habe, finde ich viele der Tipps sehr hilfreich (z. B. den mit der alten Kreditkarte, die man als Attrappe mit sich herumtragen kann oder wie man die besten Flüge aussucht).
Nicht zuletzt hat mir auch eine der Quintessenzen des Buches gut gefallen: es geht immer weiter, egal mit welchen Widrigkeiten man auf Reisen konfrontiert wird. Und irgendwie kommt man immer nach Hause (wir reden hier natürlich nicht von ganz ausgefallenen Umständen). Es hilft tatsächlich, sich das bewusst zu machen, wenn man im Ausland plötzlich ohne Kreditkarte da steht oder einen Flug verpasst hat. Das Buch weist einen auf entspannte Art und Weise hin, dass unterm Strich doch alles halb so wild ist.
In diesem Sinne: definitiv ein guter und empfehlenswerter Ratgeber für die erste Backpacker-Reise, auf den ich zurückgreifen würde, wenn die Zeit reif ist ;). Mal sehen, wohin es mich dieses Jahr dann noch verschlägt …

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Singapur: Unterwegs in Little India oder der beste Tee in der Stadt

Als ich mal in Chinatown in Singapur dieses Eis aß,
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fragte mich ein Chinese mittleren Alters, ob er sich an meinen Tisch setzen dürfe. Meine Reaktion war leider bulgarisch: ich nickte spontan. Was auf Bulgarisch „Nein“ bedeutet. Und in nahezu allen anderen Ländern „Ja“. Also setze er sich zu mir und verwickelte mich in ein Gespräch. Er gab mir Reisetipps über Singapur und erzählte mir, ich solle nach Little India fahren und dort im zentralen Hawker Center den Stand 3#11 aufsuchen. Der Verkäufer dort würde den besten Tee in Singapur machen und selbst der Präsident von Singapur würde seinen Tee dort trinken.
Hm… beim Wort Tee klingelte es bei mir (wie manche von euch vielleicht wissen, bin ich ja großer Tee-Fan). Also Eis zu Ende geschleckt und ab in die MRT nach Little India. Von Chinatown sind es nur wenige Haltestellen.
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Dort ausgestiegen fiel mir relativ schnell eins auf: die heiße und feuchte Luft war geschwängert vom Geruch nach Gewürzen, Essen und anderen undefinierbaren Dingen – eine Mischung aus exotisch und penetrant.

Für mich kein Punkt, der spontane Begeisterung auslöst. Eher ein Naserümpfen. Aber, wer schon zu Stundentenzeiten drei Tage lang in einer Fleischfabrik gearbeitet hat, der schreckt nicht so schnell vor ein wenig strengem Geruch zurück. Abgesehen davon hatte ich ja eine Mission, also machte ich mich auf Erkundungstour.

Auch in Little India findet man hübsche Shop Houses wie in Chinatown:
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Aber im Allgemeinen wirkt hier alles etwas heruntergekommener.

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Überall gibt es kleine bis mittelgroße Geschäfte, manche der Händler haben ihren Stand aber auch direkt an der Straße aufgebaut:

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Und auch wenn hier eher der Geruchssinn herausgefordert wird und alles nicht so auf Hochglanz poliert ist, kann man in Little India manche ungewöhnliche Entdeckung machen.

Ich verirrte mir relativ schnell in eine kleinere Gasse. Und es dauerte nicht lange, da lief ich an einem kleinen Laden vorbei. Vor der Tür brannten Räucherstäbchen an einem kleinen Altar und auch der Ladenbesitzer saß müßig da. Ich steckte meine neugierige Nase in die Türöffnung und wollte genau sehen, was er da verkauft. In dem schummrigen Laden, zwischen verstaubten Räucherstäbchen-Packungen und Buddha-Figuren konnte ich das restliche Sortiment ausmachen: Sex-Toys aller Art. Juhu, wie geil ist das denn, dachte ich mir, und wollte natürlich gleich ein Bild davon machen. Der Verkäufer erahnte, dass ich wohl kein ernsthaftes Interesse an seinen Second-Hand-Artikeln hatte (zumindest muteten die Teile so an…) und gab mir zu verstehen, dass sein zweifelhafter „Schrein“ nicht fotografiert werden darf.

Das fand ich etwas bedauerlich, aber ich musste nicht lange warten: nur wenige Minuten später wurde ich mit dieser schrillen Erscheinung entschädigt:
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Ganz schön viel los auf dem Fahrrad, was? Und was will uns der Fahrer mit dem Puppenkopf mit dem weit aufgerissenen Maul am Lenker wohl sagen?! Es bleibt sein Geheimnis. Aber so was zweimal an einem Tag?! Da hat sich der Besuch schon gelohnt ;D.

Lustigerweise blieb es an diesem Tag auch nicht nur dabei, auch wenn die weiteren Entdeckungen nicht mehr ganz so frivol ausfielen. Ich lief einfach weiter und schaute mir die Gemüseläden an. Da entdeckte ich diese „Warzen“-Gurken, die teilweise an einer Krankheit oder einem Tier aus den Meerestiefen erinnern:
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Neben den Gemüseständen gibt es viele kleine Läden in Little India, in denen man sich auch die Haare, die Augenbrauen oder einen ausufernden (Damen-)Bart mit einem Faden im Null-Komma-Nix zurechtzupfen lassen kann. Da kann man sich auch Hände und Füße mit Henna bemalen lassen. In einem Anflug von spontanem Leichtsinn unterzog ich mich ebenfalls einer kleinen Henna-Session:

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Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass das Zeug danach mindestens 3 Wochen lang dranbleibt, bis es sich ausgewaschen hat. Als ich davon erfuhr (natürlich nachdem es schon dran war), versuchte ich mir ins Gedächtnis zu rufen, wann mein nächster Kundentermin nach dem Urlaub wäre… Dazu fand ich, dass die Frau es hätte hübscher machen können. Aber nachdem die Farbe trocken war und nur die Zeichnung auf der Haut blieb, sah es gar nicht so schlecht aus. Ich habe sogar einige Komplimente dafür bekommen. Glücklicherweise war die Qualität nicht von der versprochenen Dauer, nach zwei Wochen konnte ich die verbleibende Bemalung wegrubbeln.

Wer genug Zeit in Little India/Singapur verbring, landet irgendwann im Mustafa Zentrum.

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Das ist eine riesige Shopping Mall, in der man buchstäblich die eierlegende Wollmilchsau finden kann. Sie erstreckt sich über mehrere Etagen und dort gibt es alles Mögliche zu kaufen: Kleidung, Technik, Schuhe, Kosmetik, Essen, Schmuck, Sportartikel, und was das Herz so begehrt.

Wenn man in Singapur lebt, lohnt es sich seine Großeinkäufe mal hier zu machen, denn die Sachen sind etwas günstiger. Es ist natürlich keine feine Shopping-Mall, aber auch wenn die Adidas-Schuhe lieblos in Gitterboxen zusammengepfercht sind, sind sie trotzdem Adidas-Schuhe. Es sieht so aus, als wäre dort alles etwas schäbiger, aber letztendlich sind alle Artikel Originalware.
Das Coole an der Mall ist, dass sie 24h geöffnet hat. Wer mal was Ungewöhnlicheres machen will, könnte z.B. für ein paar Stunden auf der Party-Meile in SG – Clarke Quay/Boat Quay – durchfeiern und danach ein Night-Shopping einlegen.
Eine kleine Enttäuschung musste ich im Mustafa Center aber dennoch wegstecken: ich konnte dort keinen Eierkocher finden! Eierlegende Wollmilchsau ohne Eierkocher geht ja mal gaaaar nicht, oder 😀 ?! Aber wer weiß, vielleicht haben sie diese Marktlücke inzwischen schon geschlossen.

Irgendwann musste ich das Mustafa Center verlassen, um mich endlich auf die Suche nach dem Hawker Center zu machen.

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Denn langsam aber sicher wollte ich auch wieder mal etwas essen.

Das Einkaufszentrum war schnell gefunden. Dort angekommen, fing ich an, nach dem Laden zu suchen. Insgeheim hoffte ich, dass er nicht in unmittelbarer Nähe des Fischmarktes ist. Diesen konnte man schnell im untersten Stockwerk finden: immer der Nase nach…
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Nach kurzem Herumirren war ich endlich am Ziel: es war tatsächlich ein Getränke-Stand.  Ich setzte mich an einen Tisch und bestellte mir etwas zum Essen. Dazu nahm ich vernünftigerweise eine Mango-Lassi und fragte nach dem speziellen Tee, der auch vom Präsidenten höchstpersönlich so geschätzt sei. Der Besitzer flitzte kurz herum und bald kam er wieder mit einem Becher schwarzen Tees zurück, gemischt mit Milch und Zimt (glaube ich). Also Chai-Latte für Anfänger?? Auf meine Frage, was denn für spezieller Tee hierfür verwendet wurde, kam eine knappe Antwort:
„Lipton“.

…tja, so viel zum Thema „der beste Tee in der Stadt“ 😉 . Da fiel mir auch nichts Schlagfertiges mehr ein. Ausnahmsweise.

Wichtig: The Hiking High Heel zieht um!

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Hallo Ihr Lieben!

Ich habe beschlossen, den Domain-Provider für The Hiking High Heel zu wechseln und auf die selbstgehostete Version von WordPress umzusteigen. So kann ich freier über die Gestaltung der Inhalte entscheiden und diese besser für Euch aufbereiten. Das heißt: der Name bleibt, er läuft nur bei einem anderen Anbieter.

Der Umzug ist beantragt und kann einige Tage dauern. Das kann dazu führen, dass http://www.the-hiking-highheel.com demnächst temporär nicht erreichbar sein wird oder die Inhalte nicht zur Verfügung stehen. In dieser Zeit wird der Blog weiterhin unter

https://thehikinghighheel.wordpress.com

erreichbar sein (behauptet WordPress 😉 ).

Ich werde Euch informieren, sobald

http://www.the-hiking-highheel.com wieder in vollem Umfang zur Verfügung steht.

Drückt die Daumen, dass alles klappt, denn knapp daneben ist auch vorbei, arrrr 😀 !

Tragt Euch in den Email-Verteiler ein oder folgt mir auf Twitter, um auf dem Laufenden zu sein, wann alles abgeschlossen ist ;):

@hikinghighheel

Danke für Euer Verständnis, I’ll be back 🙂 !

Das Muffin-Roulette

Binka0001Hallo Ihr Lieben!!!

Was gibt es Schöneres, als seine Mitmenschen zu einem netten Anlass mit selbst gebackenen Süßigkeiten zu beglücken?

Ich sage es euch: schöner ist nur das Muffin-Roulette. Das ich anlässlich Ostern für meine lieben Kollegen organisiert habe…

Mein ursprünglicher Plan war, die Kollegen mit einer Ladung selbstgebackener Muffins zum 1. April zu überraschen. „Das Böse“ an meinem April-Scherz: einer der Muffins sollte anders sein…

Binka0002Leider wurde ich von einem fiesen Hexenschuss heimgesucht und konnte mich am Tag vor dem ersten April nur mit fremder Hilfe von meiner rechten auf meine linke Seite drehen. Jaja, so was kommt selbst in den besten Familien vor. Da ich nicht backfähig war, beschloss ich nun kurzerhand, die Überraschung auf Ostern zu verschieben.

Der Ursprung…

Dieses Spiel hatte ich bereits vor drei Jahren zum 1. April gemacht. Ich hatte damals eine weiße Schokolade mit Chili gekauft. Die sooooo scharf war, dass mein Kreislauf zusammengebrochen ist, nachdem ich beherzt eine „Rippe“ davon verschlungen hatte… Demzufolge konnte ich diese Schokolade nicht mehr selber essen. Also rieb ich sie klein und mischte sie einem der Muffins bei, die ich mit viel kollegialer Nächstenliebe zubereitet hatte. Die Schokolade war hell und roch nach Vanille, der Teig war hell, und so kam zusammen, was zusammengehörte.

Am nächsten Tag stürzten sich meine Kollegen gierig auf das Muffingut. Und einen Kollegen erreichte die Warnung vor dem „bösen“ Muffin zu spät ;D! An dieser Stelle möchte ich euch bitten, euch mein diabolisches Lachen vorzustellen: ha ha ha.

Der Betroffene hielt aber bis zum Schluss dicht, so dass die Angst in der Luft hing, bis auch der letzte Muffin gegessen wurde. Es war herrlich, zuzusehen, was für Methoden entwickelt wurden, um den Muffin zu identifizieren: auf der Suche nach versteckten Gegenständen zerlegten ihn manche bis aufs letzte Atom. Oder waren felsenfest überzeugt, Senf geschmeckt zu haben. Oder Salz. In der Summe gab es einige geschmackliche Verwirrungen, gegen die ich mich wehren musste.

Zum Schluss wurde das Geheimnis gelüftet. Von dem „bösen“ Muffin war noch sehr viel übrig. Verständlicherweise. Dann kam unser Chef vorbei und sagte, dass er sich vor scharfem Essen nicht fürchtet. Mutig biss er ab. Danach trank er einen großen Schluck Kaffee und sagte nichts mehr.

Die „Reste“ wurden ganz unerwartet von einem anderen Kollegen „verschleppt“, der gerade aufgrund eines Programmierungsproblems etwas durch den Wind war. Vor unseren erstaunten Augen verschlang er, was an scharfem Muffin noch übrig war, und ging seelenruhig davon. Aber was hätte ihm denn noch passieren sollen?? Sein Blick war wegen des Problems schon davor ziemlich leer gewesen…

Und so war er weg, der Muffin. Sein eingziges Verbrechen bestand letztendlich darin, dass er etwas mehr Kalorien hatte…

Die Fortsetzung…

Jedenfalls wiederholte ich das nun zu Ostern, da mir Eiersuche schwieriger zu organisieren schien. Ich backte fleißig drei Bleche mit Muffins und verkündete die frohe Botschaft in der Arbeit am letzten Arbeitstag vor Ostern. Sie wurde nicht mit überschwänglischer Freude entgegengenommen, die Erinnerungen saßen wohl noch tief. Ha ha ha. Verständlicherweise freuten sich vorwiegend die neuen Kollegen, die das noch nicht kannten. Einen von den Neuen ließ ich diesmal den Muffin für unseren Chef auswählen (kein Treffer!). Und einen von den neuen erwischte es auch zum Schluss.
Und ratet mal, was im Evil-Muffin drin war???

Ein Ei, was sonst. Frohe Ostern :)!

Keine Schokolade ist auch keine Lösung…

Alle guten Dinge im Leben sind entweder illegal, unmoralisch oder man wird davon dick.

Nach dem unmoralischen Exkurs im letzten Beitrag arbeite ich mich heute durch bis zum dritten Punkt.

Wie viele von euch, habe ich auch einen zweiten Magen, der für alle Arten von süßen Speisen vorgesehen ist. Dieser Magen ist bei mir vor allem eins: allzeitbereit. Er kann immer und er will immer: etwas Süßes haben.

In Singapur musste ich die Existenz dieses Magens unerwarteterweise in Frage stellen. Plötzlich weckten Schokolade, Muffins oder Kekse keinerlei Gelüste mehr in mir. Für einen kurzen Moment ließ mich das an meiner geistigen Gesundheit zweifeln…
Aber bald fand ich den Grund heraus: es war zum Glück nur

Die Hitze…

Bei Dauertemperatur > 27° hat Schokolade ihre richtige Konsistenz (schmilzt bei 26°) von vorne herein verloren. Sie liegt dann wie Blei im Magen und man hat das Gefühl, dass sie noch fetter macht… Und plötzlich hat man auch keine Lust mehr auf Sachen wie Käse, Wein, Salami und alles, was man in Deutschland sonst so gern gegessen hat (naja, zumindest mir ging es so).

Ich wollte es am Anfang nicht so richtig glauben und nachdem ich mich mit manch asiatischem Essen nicht anfreunden konnte, gingen wir in ein bayrisches Restaurant in Vivo City. Dort wurden wir von der Bedienung – drei hochgewachsenen Indern – mit einem einwandfreien „Servus!“ begrüßt. Gfoit ma ;), aber nach Deftigem war’s mir auf Dauer auch nicht…

Also wähnte ich mein Figürchen schnell in Sicherheit: täglich mehrere Kilometer Fußmarsch, keine Schokolade und die angeborene Abneigung gegenüber frittierten Hühnerköpfen ließen mich zunehmend erschlanken.

Aber wie soll es anders sein, eines Tages lief ich an einem der Cake Shops von Bengawan Solo vorbei.

Abgesehen davon, dass Bengawan Solo ein indonesischer Song über einen Fluss sei, ist das auch eine Kette in Singapur, die indonesische Spezialitäten, Kuchen und Kekse herstellt. Gegründet wurde sie von einer Dame, die einst ihre hausgemachten Kuchen zuerst an die Nachbarn und später an umliegende Geschäfte und Restaurants verkaufte. Bis ihr die Steuerbehörde auf die Schliche kam. So sei sie gezwungen gewesen, entweder ihre Backkünste wieder in die eigenen vier Wände zu verlagern oder einen eigenen Laden zu eröffnen. Offensichtlich hatte sie sich für Letzteres entschieden und ist heute Millionärin.
Und so kann man ihre Kreationen heutzutage in Singapur kaufen: Kuchen mit exotischen Namen, interessantem Aussehen und für mich völlig neuem Geschmack. Um nur ein paar davon zu nennen: Binka Ubi, Kueh Angku, Lapis Sagu, Kueh Dadar, Kueh Talam, Talam Ubi, Talam Hidjau, Ongol Ubi… Es handelt sich dabei meistens um süße gedämpfte Kuchen von halbfester und z. T. leicht klebriger Konsistenz.

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BengawanSolo-3Zu dem Zeitpunkt konnte ich mit Namen wie Ubi-Bubi und Angu-Mangku nichts anfangen. Und aus Form und Farbe wurde ich auch nicht schlau. Sprich, ich konnte mir nicht vorstellen, wie die Küchlein schmecken oder riechen. Daher kaufte ich ein Probierset, bestehend aus Binka Ubi, Kueh Angku, Kueh Dadar, Talam Hidjau und Lapis Sagu.

BengawanSolo-1Plötzlich meldete sich das zweite Mäglein wieder. Ich beschloss das süße Stück zu probieren, von dem ich mir geschmacklich am wenigsten versprach. Und so fing ich an, an einem Kueh Dadar – eine Art grüner Pfannkuchen – zu naschen… Einen Bissen später und ich machte kehrt. Keine 3 Minuten waren seit meinem Einkauf vergangen, schon stand ich wieder vor dem Laden und kaufte drei weitere Kueh Dadars. Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass mir dieser grüne Pfannkuchen so munden würde…

Er ist gefüllt mir einer Kokosmischung, die mit Palmenzucker zubereitet ist. Und der grüne Teig hat einen besonderen, samtweichen Duft, den ich nicht kannte: den Duft nach Pandan. Meine umgehende Recherche ergab, dass Pandanblätter in Indonesien, Malaysia, Thailand und alles, was in der Nähe ist, weit verbreitet seien. Sie haben einen ganz besonderen milden Duft/Geschmack (hier schmeckt man ganz klar mit der Nase) und harmonieren hervorragend mit Gerichten, die mit Kokos zubereitet werden. Pandan-Blätter werden auch oft eingesetzt, um den Geschmack von billigem Reis zu veredeln:

In diesem Fall hatten die Pfannkuchen nicht nur ihren geilen Geschmack, sondern auch ihre geile Farbe diesen Blättern zu verdanken. Und trotz Hitze konnte ich sie gut essen und mir hat’s sogar immer wieder danach gelüstet 😉 (übrigens, Binka Ubi wäre mein zweiter Favorit).

Es war sofort klar, dass ich sie zu Hause nachmachen werde. Schon in SG kaufte ich ein Päckchen Palmenzucker für die Füllung. Die Pandanblätter musste ich aber in Deutschland erstmal suchen.

In Singapur kann man sie in jedem Supermarkt für etwa 45 Cent (SGD) kaufen (ca. 0.30€). In Deutschland bekommt man sie frisch in guten Asialäden für etwa 2€ pro Bund. Das erste Mal kaufte ich sie aber tiefgefroren in einem Asiashop. Zu Hause angekommen musste ich feststellen, dass sie schon im Jahr 2011 abgelaufen waren… Ich ließ mich nicht entmutigen: aufgetaut, den Riechtest durchgeführt, für gut befunden und zu Kueh Dadar verarbeitet. Selbstlos wie ich bin, ließ ich vorsichtshalber Mr. G und engste Freunde zuerst probieren, bevor ich mich selber da ranmachte ;D.

Neee, das war natürlich Spaß. Äh fast. Beim zweiten Mal kaufte mir Mr. G dann frische Blätter.

Und da ihr euch bestimmt schon fragt, wann ich endlich das Rezept rausrücke, hier ist es:

Kueh Dadar selbst gemacht ;)

Kueh Dadar selbst gemacht 😉 (auch bekannt unter dem Namen Kueh Ketayap)

Für den Teig

  • 6 Pandan Blätter
  • 250 ml Wasser
  • 150 gr Mehl
  • 1 Ei, verrührt
  • 60 ml Kokosmilch
  • 1 Prise Salz

Für die Füllung (ich persönlich nehme nur die Hälfte an Kokosraspeln und Zucker!)

  • 300 gr Kokosraspeln
  • 150 gr Palmenzucker
  • 2 Pandan Blätter
  • 100 ml Wasser
  • etwas Butter
  1. Füllung zubereiten: Palmenzucker zerkleinern (falls er in gepresstem Zustand vorliegt) und mit verknoteten Pandan Blättern in einen Topf mit dem Wasser erhitzen. Wenn das Wasser kocht, Hitze reduzieren und die Kokosraspeln hinzufügen und gut vermischen. Weiter rühren, bis das Wasser verdunstet ist, aber die Kokosraspeln noch feucht sind. Dann vom Herd nehmen und auskühlen lassen.
  2. Teig zubereiten: Die Pandan Blätter grob zerkleinern und in einem Mixer pürieren. Durchsieben, um den Saft abzufangen. Mehl mit Salz vermischen. Das Ei dazu geben und langsam mit der Kokosmilch und den Pandan Saft verrühren. Klumpenbildung vermeiden und wenn nötig mit Wasser oder Kokosmilch verdünnen.
  3. Dünne Pfannkuchen in einer Pfanne braten.
  4. Jeweils einen Löffel von der Füllung auf jeden Pfannkuchen geben und zusammenrollen.

Ich mag sie persönlich am liebsten lauwarm und trinke dazu ganz non-indonesisch einen kühlen, selbst gemachten Ayran (bei warmem Wetter ebenfalls bewährtes Getränk). Oder wie wäre es mit Tee??

Enjoy :)!

One Night in Bangkok

OneNightInBangkok-1Vor zwei Jahren war ich für einige Tage in Bangkok. Meine Hauptbeschäftigung bestand darin, mit den Tuk-Tuk-Fahrern zu verhandeln, sie auf Bulgarisch zu beschimpfen, wenn sie mich auf Thai beschimpften, und jeden Tempel zu besuchen, über den ich etwas Interessantes gelesen hatte.

OneNightInBangkok-4Aber wer schon Hangover 2 gesehen hat, weiß, dass Bangkok nicht nur Tempel, sondern auch ein Nachtleben hat. Die Worte aus dem Film „Bangkok has him now…“ klingen einem noch verhängnisvoll im Ohr. Aus reiner Neugier beschließe ich, dem auf den Grund zu gehen.

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OneNightInBangkok-2Also Achtung, Leute, es wird geringfügig schlüpfrig. Nur weiter lesen, wenn Ihr mindestens 16 oder 18 seid!

Eines Abends schwingen wir uns in ein Tuk-Tuk. Die Destination, von der wir im Film gehört haben, lautet Soi Cowboy (Cowboy Street). Das ist eine nicht sehr lange Straße in Bangkok, die tagsüber fast leer und unauffällig wirkt. Je mehr der Tag zur Neige geht, umso schillernder wird sie aber.

Das Prinzip hier ist einfach: die Mädchen stehen vor sog. Gogo-Bars und versuchen Kunden anzulocken. Man bezahlt keinen Eintritt, muss aber darin unbedingt etwas trinken. Ein Bier kostet z. B. 3-4€. In einer Gogo-Bar tanzen die Mädchen meistens leicht bekleidet auf erhöhten Bühnen und/oder an Stangen. Wenn ein Mädchen einem Kunden gefällt, winkt er sie zu sich an seinen Tisch und spendiert ihr einen Drink. Das ist auch die Hauptaufgabe der Mädels – Drinks spendiert zu bekommen. Sie bezirzen die Herren, letztere fühlen sich wohl und lockern die Geldbörse. Sollte der Kunde mehr wollen, kann er das Mädchen fragen, ob sie ihn in sein Hotel begleiten möchte. Sollte sie einverstanden sein, muss der Kunde der Bar eine Art Ablösegebühr bezahlen, damit das Mädel mitgehen kann.

Da man keinen Eintritt bezahlt, wird man dazu verleitet, eine kleine Bar-Hopping-Tour zu machen. Dabei sollte man aufpassen, es mit dem Bier oder den Getränken nicht zu übertreiben. Selbst wenn man dabei in jeder Bar nur ein Bier trinkt, werden die Lichter der Nacht irgendwann anfangen, greller zu leuchten. Bevor sie ganz ausgehen.

Auch wenn ich es persönlich mit dem Bier nicht übertrieben hatte, kann ich gar nicht mehr genau sagen, wieso wir irgendwann in einem anderen Tuk-Tuk saßen und plötzlich woanders hinfuhren (ist ja auch eine Weile her). Es hieß, dort seien die Bars „interessanter“… Und das waren sie in der Tat.

Die neue Location gleicht einem viereckigen Gebäude mit einem großen Innenhof. Es gibt drei oder vier Stockwerke und auf jeder Ebene reihen sich die Bars aneinander an.

Ganz zu Beginn landen wir in einer Bar mit groß gewachsenen Frauen, die viel zu perfekt aussehen. Perfekt geschminkt, tolle Figur, lange Mähnen, Maniküre… muskulöse Beine, Six-Packs. Ich frage mich, wieso diese Damen nun plötzlich so viel größer und kräftiger wirken, als die anderen Mädchen, die wir gesehen haben. Schnell leuchtet mir ein: es sind waschechte Ladyboys… Interessant… Meine Begleitung scheint sich hier nicht wohl zu fühlen (die Begegnung mit einem Ladyboy endet im Film in der Tat etwas befremdlich für einen der männlichen Charaktere… ). Also ziehen wir weiter, noch bevor wir wieder ein Getränk bestellen müssen.

Bei der nächsten Station sind wir in einer größeren Bar. Hier haben die Mädchen alle den gleichen Hauch von nichts an. Abgesehen von einer Nummer am mikroskopischen Höschen tragen sie nicht viel. Die Auswahl kommt also mit Hilfe der Nummer zustande…  Hier kann ich das erste Mal beobachten, wie Kunden die Bar mit der Dame ihrer Wahl verlassen. Dabei zuzusehen, wie leicht das geht, könnte eine(n) schon verunsichern und einen an der Exklusivität der Beziehung zweier Menschen zweifeln lassen: die Kunden müssten nur ein Bier trinken und die Hand ausstrecken. Und sie würden dafür vielleicht maximal 50€ bezahlen. Aber ich bin nicht hier, um zu urteilen. Es gibt die Nachfrage und solange das Angebot freiwillig und mit, sagen wir mal, rechten Dingen vonstattengeht, soll jeder selber für sich entscheiden.

Unsere letzte Station für diesen Abend soll auch die lustigste werden. Hier gibt es einen riesigen Jacuzzi, gefüllt mit Badeschaum. In dem plantschen halbnackte Frauen. Und wenige Meter entfernt tanzt gerade eine kleine zierliche Thailänderin bei sinnlicher Musik auf einer Bühne. Ein zarter Regenschauer ergießt sich über die Tanzfläche und man kann zusehen, wie der dünne Stoff auf der Haut der Tänzerin nasser und durchsichtiger wird. Ich muss nicht erwähnen, dass sie drunter keine selbstgestrickte Unterwäsche trägt. Der Gesichtsausdruck einiger Gäste verrät, dass sie in diesem Moment mit einem Gespräch überfordert wären.

Meine Begleitung ist an dem Abend mein Finanztropf, da mein Outfit keine Taschen hat. Somit hatte ich keine Möglichkeit, Geld oder Sonstiges mitzunehmen. Die Mädels kapieren schnell, dass jemand anders für meine Drinks bezahlt und… fangen an, mich zu bezirzen… Sehr bald habe ich eine neue beste Freundin namens Joy. Wie soll sie denn hier auch anders heißen?! Solange ich sie als Begleitung habe, ist mir wohl erlaubt, die Tanzfläche auch ein wenig für mich zu beanspruchen. Das ist normalerweise verboten, da die Mädels ja mit ihrem Tanzen Geld verdienen und Kunden auf sich aufmerksam machen wollen. Man kann also nicht zulassen, dass tanzwütige Touristinnen ihnen das Geschäft kaputtmachen. Ich glaube, dass ich am Rand mittanzen darf, liegt auch mitunter daran, dass meine Begleitung dem Aufpasser einige Drinks spendiert hatte und dieser uns ebenfalls wohlgesonnen ist… Die zwei sitzen fast Arm in Arm am Tisch, wie zwei alte Kumpels beim Grillen. Da die Mädels meine Begleitung eher als zahlende Spaßbremse empfinden, kann ich umso entspannter bei guter Musik meine Tanzkünste unter Beweis stellen. Auch die zwei anderen „mitgebrachten“ Damen trauen sich dann auf die Tanzfläche. Unser Tanzeinsatz wird von einem Barbesucher gewürdigt und er spendiert allen Damen eine Runde Shots. Ich schaffe es nebenher, mich mit Joy zu unterhalten. Und so erzählt sie mir, dass sie 33 sei, verheiratet, und eine kleine Tochter hätte. Ich bin etwas erstaunt: die Frau ist sogar kleiner als ich und so zierlich, dass ich sie für Anfang 20 gehalten hatte.

Die Bühne lichtet sich langsam und kurz bevor wir beschließen zu gehen, reißt meine Sandalette. Plötzlich stehe ich barfuß da. Der Schuh ist zu nichts mehr zu gebrauchen. Hm… wie soll ich nun weiterlaufen, auf die Straße gehen und einen Tuk-Tuk anhalten?

In meiner misslichen Lage bekomme ich unerwartete Unterstützung: Joy verschwindet hinter den Kulissen und eine Minute später kommt sie mit pinkfarbenen Flip Flops in der Hand zurück. Sie besteht darauf, sie mir zu schenken, damit ich nicht barfuß nach Hause laufen muss. Sie sind mir zwei Nummern zu klein und meine Ferse schleift hinten auf dem Boden, aber ich bin begeistert von meinen neuen Schuhen: ausgerechnet in einer „zwielichtigen“ Bar genieße ich durch eine nette Geste doch das Gefühl einer gewissen Exklusivität ;D!

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Eins meiner schrecklichsten „Fuß“-Fotos…

In 10 Schritten zum Verkaufsperching auf dem Flohmarkt

Ich lese immer wieder, wie man am besten Geld fürs Reisen spart oder verdient. Ein oft genannter Tipp ist: „Werde dein altes Zeug los“.

Und da ich dieses Jahr noch einiges an Reiseplänen habe, beschloss ich, diesen Tipp auszuprobieren.

Letzten Freitag räumte ich meinen Keller und meinen Kleiderschrank aus. Und schweren Herzens auch meinen Schuhschrank. Und bin dann gestern früh mit einem vollbepackten Wagen auf dem wöchentlichen Flohmarkt erschienen.

Der Zeitpunkt war nicht zufällig gewählt: es ist Frühlingsanfang und auch Anfang des Monats. Somit ist es jetzt angenehmer, draußen auszustellen. Und nicht zuletzt: viele, die  wenig für Kleidung oder Sonstiges ausgeben wollen oder wenig Geld zur Verfügung haben (aber auch nicht nur die), haben es womöglich gerade oder vor wenigen Tagen bekommen. Und wollen auch mal „shoppen“ gehen.

Also eine erste Regel:

1. Wähle den richtigen Zeitpunkt aus (vor allem, wenn du nicht jede Woche als Verkäufer auf den Flohmarkt gehst).

Bevor ich hinfuhr, hatte ich mich als Erstes hübsch gemacht (s. weiter unten, Regel Nr. 4). Es ist statistisch nachgewiesen, dass gepflegtes Aussehen im Verkaufsgespräch hilfreich sei. Ich muss sagen, es war nicht leicht, meine Schokoladenseite zum Vorschein zu bringen: ich musste um 5 Uhr aufstehen und das ist für mich eine unmenschliche Uhrzeit. Nebenbei erwähnt bin ich eher ein Nachtmensch und oft bis 1-2 Uhr in der Nacht putzmunter. Auch diese Nacht war keine Ausnahme. Ich musste tief in die Schminkkiste greifen, um die Spuren der kurzen Nacht zu kaschieren.

Danach bin ich pünktlich aufgebrochen, um Mr. G abzuholen. Um 6:20 waren wir schon auf dem Flohmarktplatz. Und dieser war schon voll. Obwohl der Verkauf erst um 8 Uhr beginnt. Somit bestätigte sich ein Tipp, von dem ich gelesen hatte:

2. Sei möglichst früh dort, um einen guten Platz zu ergattern!

Und solltest du mit dem Auto da sein, versuch dich so zu positionieren, dass du auch wieder herausfahren kannst. Wenn du früher gehen willst, wäre es blöd, wenn dir andere Verkäufer mit ihren Ständen im Weg stehen und dein Auto blockieren. Das klappt nicht immer, aber man sollte es versuchen.

Wir hatten es gerade so geschafft, einen guten Platz zu finden. Danach ging es an den Standaufbau. Es war ein einziges Chaos. Nach und nach merkte ich auch, dass aus meinen geplanten 1.5m² fast mehr als 3m² wurden. Was die Standgebühr nochmal um 150% erhöht hat. Also zwei weitere Tipps:

3. Ausstellungsfläche gut planen und ggf. „reduzieren“ (zumindest, bis die Gebühr eingesammelt ist 😉 )

Meine Beobachtung war, dass ich mich genauso ausgebreitet hatte, wie mein Auto lang war (das sich direkt hinter dem Stand befand). Wenn man Platz zur Verfügung hat, füllt man ihn auch aus. Und einen Kleiderständer, der etwa 1.20m lang ist, kann man auch mal für eine Weile nicht der Länge, sondern der Breite nach aufstellen ;). Oder die Kisten eben enger zusammenrücken. Je kompakter der Stand, umso besser kann man ihn auch im Blick behalten. Und an der Standgebühr sparen.

Dabei fiel mir auf, dass es gar nicht so einfach war, den Stand entsprechend zu „dekorieren“, was aber auch auf dem Flohmarkt sehr wichtig ist:

4. Mach deinen Stand hübsch (s. auch Hinweis, sich hübsch zu machen): man ist zwar auf dem Flohmarkt. Aber auch dort lassen wir uns von unserem unbewussten Empfinden leiten, was schön und wertig aussieht.

Daraus ergeben sich für mich noch folgende Nebenerkenntnisse:

  • Decke Tische oder Ablageflächen ab, wenn die Oberfläche nicht gut genug aussieht.
  • Stelle die teureren Sachen oder diese, die du eher loswerden willst, auf eine angemessene Höhe aus. Das ist eine bekannte Supermarktstrategie. Wir greifen automatisch eher nach den Dingen, die wir bequem erreichen können – ohne uns bücken, hinhocken oder strecken zu müssen.
  • Die Gegenstände dabei so positionieren, dass sie möglichst nicht geklaut werden. Denn manche schauen mit den Fingern.
  • In diesem Zusammenhang immer jeweils nur einen Schuh ausstellen.
  • Kleidung am besten auf einem Kleiderständer aufhängen und möglichst nach Farbe, Preisklasse und/oder Kleidungstyp sortieren.
  • An den abschließenden Enden der Kleidungsstange die hübscheren Kleidungsstücke aufhängen, damit es ansprechender aussieht.
  • Die teureren Ausstellungsstücke eher ins Blickfeld der Besucher rücken.
  • Versuche, deinen Stand wie im Supermarkt aufzbauen: „von rechts nach links“. Statistiken besagen, dass die Verkäufe sich um mehr als 10% steigern lassen, wenn ein Kunde in einem Laden von rechts nach links geht. Achte das nächste Mal darauf, wie größere Supermärkte oder Kaufhäuser aufgebaut sind ;). Es ist nicht immer der Fall, aber fast immer. Ich bilde es mir vielleicht ein, aber so war es an meinem Stand, dass die Menschen sich eher von rechts nach links „durchgearbeitet“ haben.

Und dann kann es auch schon mit dem Verkaufen losgehen. Dabei ist noch sehr wichtig:

5. Wechselgeld mitnehmen: wenn du Kleinkram für wenige Cents verkaufst, musst du auch wechseln können. Wäre blöd, wenn ein Geschäft ins Wasser fällt, weil du kein Restgeld herausgeben kannst. Ich habe mir für den Anfang etwa 15€ klein machen lassen, so dass von jedem Münztyp etwas dabei war.

6. Tragetüten mitnehmen: jeder, der Schuhe oder Kleidung bei mir gekauft hat, hat auch nach einer Tüte verlangt. Zur Not tun es auch einfache Müllbeutel aus der Drogerie. Oder alte Tüten von deinen eigenen Einkäufen.

Es war noch nicht mal 7 Uhr morgens, da kamen die ersten Flohmarkt-Jäger. Sie sind schon vor allen anderen da und klappern alle Stände ab, um das beste Zeug schon vor dem offiziellen Start abzugreifen. Diese stürmen u. U. deinen Stand, während du noch am Aufbauen bist. Und sie schleichen sich auch mal an dein Auto heran und fangen an, im Kofferraum herumzuwühlen. Deswegen ist es besser, wenn man nicht alleine auf den Flohmarkt geht oder man sollte sich mit dem nächststehenden Verkäufer verbünden. So passt der andere auf, dass dich keiner beklaut, wenn du auf die Toilette musst, oder wenn es einen Kundenansturm gibt. Anderenfalls einfach mal die Augen offen halten und wenn nötig, die „Kunden“ zurechtweisen. So habe ich einige auch vom Auto von Mr. G verjagt. Und sie haben trotzdem etwas gekauft.

Mr. G hatte schon vor 8 Uhr morgens seine Standgebühr reingeholt. Er hatte einfach viel Elektronikstuff dabei. Das wundert auch nicht: meistens interessieren sich Männer dafür. Und die meisten Schnäppchenjäger, die im Halbdunkeln schon unterwegs waren, waren auch Männer.

Bei mir machte sich deswegen leichte Frustration breit. Ich hatte gelesen, dass man auf dem Flohmarkt den meisten Umsatz schon vor 8 Uhr macht. In diesem einen Fall konnte ich das aber nicht bestätigen. Wir waren bis ca. 14 Uhr fast durchgehend beschäftigt. Und ich konnte auch 90% meiner „Waren“ absetzen.

Alle auf dem Flohmarkt wollen den Preis drücken. Und ganz am Anfang musst du nicht auf jedes Angebot eingehen oder jedem Druck nachgeben. Denn viele wandern den Flohmarkt auf und ab und versuchen es wenig später wieder bei dir. Und spätestens dann weißt du, was sie wollen und wie viel es ihnen wert ist. Somit hier eine weitere Regel:

7. Feilsche!

Es liegt nicht jedem. Aber wenn du schon auf den Flohmarkt gehst, hast du deine Komfortzone bereits verlassen und musst aus dir heraus. Ich feilsche gern. Manche Kunden, vor allem aus südlicheren Ländern, brauchen das auch. Die gängige Taktik ist natürlich, einen höheren Preis zu nennen, damit du runtergehen kannst. Dabei ist es auch wichtig, außer Acht zu lassen, was der Gegenstand davor gekostet hat oder was er dir bedeutet! Denn nur deswegen ist er den Käufern noch lange nicht das Geld wert, für das du ihn gekauft hast oder verkaufen willst! Das fiel mir am Anfang schwer, manche meiner Sachen zu verramschen. Aber ich stellte mir zwei Fragen: was, wenn ich das Teil nicht verkaufe? Will ich es wieder mit nach Hause nehmen oder würde ich es z. B. in den Kleidercontainer geben? Für Letzteres würde ich keinen müden Cent bekommen. Also bekomme ich lieber paar wenige Euro dafür, als gar nix. 

Und die zweite Frage war: muss ich mir dennoch unverschämte Preisangebote gefallen lassen? NEIN! Wenn ich gemerkt habe, dass einer wegen 50 Cent den Gegenstand nicht kaufen wollte, obwohl ich ihm schon sehr entgegen gekommen war, dann habe ich den Deal abgebrochen und ihn zum Teufel geschickt. Manche besinnen sich dann tatsächlich und so kommt das Geschäft doch zustande. So hat mir einer einen Rock, der in einem einwandfreien Zustand war und noch zeitgemäß (nur nicht mehr meinem Alter gemäß) aussah, für 1€ abkaufen wollen. Ich habe ihm den Rock aus den Händchen gerissen und ihm gesagt, dass er gefälligst mehr Anstand beim Verhandeln zeigen sollte. Dann hat er ihn doch für 4€ gekauft. Eine Steigerung um 300% für eine freche Antwort? Gern geschehen 😉 .  Andere ließen sich natürlich nicht beeinflussen. Sie sind z. T. wirklich wegen 50 Cent abgesprungen. Wenig später habe ich den Gegenstand sogar ohne weitere Verhandlungen für den „vollen“ Preis verkauft.

8. Geschichten erzählen: ich war überrascht, dass man mit einem eingebildeten Spruch manche Leute auch zum Kauf bewegen konnte. Ich glaube, das liegt daran, dass man selbstbewusster auftritt und den Leuten unbewusst suggeriert, dass die Sachen mehr wert sind. Aber Achtung! Man muss dabei immer authentisch bleiben! Zu viel Verstellen verrät einen.

Auf der anderen Seite lassen sich Dinge in Verbindung mit einer Geschichte besser verkaufen, s. auch meinen Weinbericht hier. So habe ich meine drei Tomb Raider Lösungsbücher verkauft. Und das jemandem, der das Spiel kein einziges Mal gespielt hatte. Er sei schon immer fasziniert von den tollen Kulissen gewesen, vor denen Lara Croft Artefakte sammelt, hat er gemeint. Und das bin ich auch. Also unterhielten wir uns darüber, bevor ich ihm den Preis nannte 😉 .

Im weiteren Verlauf verkaufte ich ein Kleid von mir: einem Mann! Für seine Freundin versteht sich. Ich erzählte ihm, dass ich es bei einem Boxkampf in ZDF live auf der Aftershow-Party getragen hätte. Was ja nicht mal gelogen war. Es hilft also, die Leute in ein Gespräch zu verwickeln 😉 .

Das führt uns zu einer weiteren Regel:

9. Spreche den Kunden sofort an und nenne ihm den Preis, wenn du siehst, dass er sich für etwas an deinem Stand interessiert! Nur so kannst du Regeln 7. und 8. anwenden.

Nicht zuletzt könntest du auch ein paar praktische Dinge selber brauchen, um besser durch den Tag zu kommen:

10. Dinge, die du noch mitnehmen solltest:

  • Essen & Trinken: beim Essen hört die Freundschaft auf und Flohmarkt ist z. T. Knochenarbeit. Also brauchst du Energie und ein seelisches Gleichgewicht, um erfolgreich zu verhandeln. Deswegen habe ich als Zweites, nachdem ich mein Näschen gepudert hatte, ausreichend Futter beim Bäcker geholt.
  • Einen Stuhl (zur Not im Auto sitzen, wenn du mit dem Auto da bist).
  • Eine Sonnenmütze und/oder Sonnenschutz/Sonnencreme (evtl. auch (Sonnen-)Schirm).
  • Taschenlampe, sollte es in den frühen Stunden noch dunkel sein.
  • Feuchte Tücher: verschaffen schnell ein Sauberkeitsgefühl.
  • Abdeckfolie (z. B. Malerfolie aus dem Baumarkt), um deinen Stand abzudecken, falls es regnen sollte. Das tat es bei uns tatsächlich und das war sehr sehr hilfreich.
  • Dir Gedanken machen, was sich gut verkauft: i. d. R. sind das: Schreibwaren, Kinderschuhe/Kinderkleidung, Elektronik (Notebooks, Handys mit Ladegerät, Kabel), Kunstblumen, Decken, Schuhe, Ü-Eifiguren, Geschirr…
  • Was nur bedingt gut läuft: Zeitschriften, Bücher, Steine/Mineralien (es kommt aber aufs Publikum an).

Unterm Strich war meine erste Flohmarkterfahrung als Verkäufer sehr zufriedenstellend. Nicht zuletzt dank einiger Tipps, die ich gesammelt und versucht hatte, anzuwenden (und auch hier zusammengetragen habe). Und selbst nach Abzug der Standgebühr (24€) habe ich einen guten Gewinn erzielt. Den Keller kann man wieder betreten. Die Reisekasse sieht besser aus. Und man fühlt sich leichter und befreiter, was will man mehr 😉 ?

Was habt ihr für Erfahrungen auf dem Flohmarkt gemacht? Habt ihr noch weitere Tipps?